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Virneburg vor 100 Jahren

An dieser Stelle wird aus der Chronik der katholischen Schule zu Virneburg berichtet, was passiert ist und wie es in Virneburg vor 100 Jahren ausgesehen hat

1915

Goldende Hochzeit 15. Februar 1915
Die Eheleute Matthias Nett und Magdalena geb. Müller feierten heute das Fest der Goldenen Hochzeit in aller Stille im Familienkreis. Er ist 78, sie 79 Jahre alt. Matthias ist Veteran der Kriege 1866 und 1870/71. Lange Zeit fuhr er den Postwagen von Adenau nach Mayen. Bezeichnend für die gegenwärtige Zeit ist es auch, dass bei der Feier nur Kriegsbrot gegessen werden konnte, da das Backen von Kuchen, Fladen, wie sonst in der Eifel üblich, untersagt wurde.

Neues Polizeigebäude 1. März 1915
Heute wurde das neue Polizeigebäude gegenüber der Bürgermeisterei bezogen. Das Grundstück wurde für 200 Mark gekauft. Der Bau wurde durch den Kreisbaumeister für 7000 Mark errichtet. Der schmucke villenartige Bau ist eine Zierde des Ortes.
Anmerkung: Es handelt sich um das heutige Fachwerkhaus in der Hauptstraße 26

Witterung Juni 1915
In der Nacht zum 30. zum 31. Mai hatte es Eis gefroren. Bohnen, Kartoffeln, Erdbeeren und Obstblüten erfroren. In den längsten Nächten zum 20. und 21. Juni , hat es stark gereift, auch auf der Höhe, so daß Kartoffeln, Bohnen etc. zum zweiten Mal erfroren.

Bergwerk verkauft – August 1915
Das Bergwerk wurde im August an die Bergwerksgesellschaft „Silbersand“ in Bürresheim verkauft. Die noch vorhandene Eisenteile der Aufbereitungsanstalt wurden abmontiert und weggeschafft. Schon vor einigen Jahren war der schwere Dampfkessel.mit viel Mühe auf Baumstämmen bis nach hier (Virneburg) gerollt worden. In derselben Weise soll der Kessel auch hingeschafft worden sein, nachdem der Weg bis Sankt Jost angelegt war.

Kriegsbericht 1915
Im Laufe des Jahres wurden alle gemusterten und felddienstfähigen Männer bis 45 Jahre, auch jene, die früher als dauernd untauglich oder unabkömmlich zurückgestellt waren, nach und nach zu den Waffen gerufen. Infolgedessen war der Arbeitsmangel sehr groß. Aber die Frauen und Mädchen griffen tapfer die Feldarbeit an. Die nie ein Pferdegespann früher geführt hatten, sah man hinter Pflug und Egge gehen.

Die Unterstützung einer Kriegsfrau betrug im Winter 15 Mark, im Sommer 12. Für jedes schulpflichtige Kind im Winter 7,50 Mark, im Sommer 6 Mark.

Alle Lustbarkeiten wurden abgeschafft. Kirmes, Fastnacht etc. kannte man nicht mehr. Umsomehr gingen die Leute zur Kirche und zu den Sakramenten. Allerorten las jeder Pfarrer die Heilige Messe für die gefallenen Krieger. In der Schule beteten die Kinder alle Morgen für ihre Angehörigen im Kriege. Der Alkoholgenuss wurde bedeutend eingeschränkt.

Außergewöhnliche Witterung November, Dezember 1915

Wie im ganzen Verlaufe des Kriegsjahres 1915, so zeigten auch die beiden letzten Monate eine eigenartige Witterung. In der ersten Hälfte des November setzte ein Schneewetter ein, daß ein ½ Fuß Schnee bracht. Die Kälte stieg gegen Ende des Monats so stark, wie die älteren Leute sich zu so früher Zeit nicht erinnern konnten. In der Nacht vom 27. auf den 28. November zeigte das Thermometer – 24 Grad. Dann folgte gegen Anfang Dezember feucht warme Witterung, die Eis und Schnee bald vertrieb und bis zum zweiten Drittel des Januar anhielt.