• Deutsch
  • English
  • Nederlands
  • Virmerischer Platt

Geschichte von Virneburg

Kurzer Abriss der Virneburger Geschichte

Wer als Tourist von Mayen nach Adenau die herrliche Eifellandschaft durchfährt, muss auf dieser Route eine kurvenreiche, steile Gefällstrecke zurücklegen. Da sieht er plötzlich vor sich ein gepflegtes Dorf mit Namen Virneburg. Durch die Tiefe des Tals werden vier Berge von bedeutender Höhe gebildet In der Mitte dieser Vier befindet sich noch ein isolierter kleiner Berg mit den Ruinen einer alten Burg. Von jeden vier Bergen soll der Ort den Namen "Viereberg" erhalten haben, woraus später der Namen Virneburg entstanden ist. Erstmalig in Urkunden im 7. Jahrhundert erwähnt, herrschten dort ab dem 11. Jahrhundert die Grafen von Virneburg, die ihren Namen von dieser Burg annahmen und deren Ursprung im Dunkeln liegt. In verschiedenen Urkunden tauchen immer wieder "Bernardus de Wirnenburg", "Bern. de Virneburg", "Bernardus de Virninburch", "Herimannus Comes de Virneburch" und "Vernenburgh" auf.

Die Virneburg

Die mittelalterliche Geschichte dieser Grafen ist die wie Aller: mal verbünden sie sich mit jenem Erzbischof gegen den anderen, mal umgekehrt. Mal werden sie Lehnsleute von diesem Herzog, mal von jenem. Vom 13. Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts gewinnt man dadurch Einfluss, dass man die Söhne und Töchter kirchliche Ämter bekleiden lässt. Die Virneburger Adelsfamilie verstand das vorzüglich. Äbtissinnen, Äbte, Domkapitulare und Bischöfe entstammen ihrem Geschlecht. Der Höhepunkt ihrer Macht liegt im 14. Jahrhundert, als Heinrich II. Von Virneburg von 1306 bis 1322 Erzbischof und Kurfürst von Köln ist (siehe Sage „Ein großer Sohn der Hocheifel") und sein Neffe Heinrich III. Von 1328 bis 1346 diese Ämter in Mainz innehat und damit gleichzeitig Erzkanzler des Reiches ist. Durch geschickte Heirat wird die Grafschaft vergrößert, durch Streitereien, auch innerhalb der Familie, wieder verkleinert u.s.w. 1543 erlischt mit dem Tod von Graf Kuno der Mannesstamm der Virneburger Grafen wegen Kinderlosigkeit. Darauf zieht Kurtrier den größten Teil der Grafschaft ein.

Das Weinmaß zu Virneburg war wie das Maß zu Andernach das sogenannte Bevener Sufmaß: I Ohm = 20 Viertel = 4 Maß = 4 Schoppen. 1 Ohm umfasste 3,8930 Quart oder 123,8950 Quart Preußisch. Zum Messen des Getreides bediente man sich des Mayener Malters. Ein Mayener Malter = 8 Sümmer = 4 Sester = 4 Winkel. Weizen, Roggen und Gerste wurden gestrichen. Ein solches Malter kam 3 Scheffeln = 8,8569 Metzen Preußisch gleich.

Nach Aussterben des Virneburger Grafengeschlechtes setzte sich Graf Dietrich IV der Ältere von Manderscheid in den Besitz der Grafschaft. Aber auch diese Grafenfamilie starb 1593 im Mannesstamm aus, und ging nach einigem hin und her an die Gemahlin des Grafen Christoph Ludwig von Löwenstein Wertheim. Während des 30 jährigen Krieges bemächtigte sich der Freiherr Johann von der Reck der Grafschaft Virneburg. Im Westfälischen Frieden 1648 kam der Graf von Löwenstein-Wertheim wieder in den Besitz von Virneburg.

Plan der Virneburg

Einer Inventarliste vom 5.8.1605 zufolge waren unter anderem in der Burg vorhanden: 27 Betten, 1 Deckbett, 2 Flockenbetten (mit Wollfloken gestopft), 29 Federbetten (Plüven), 50 Decken, 8 Häute (Kürschen), 7 Ziegenhäute und 39 Kissen; an Leinenzeug: 22 Paar Binden und Schlafdecken, 14 Handdecken und 6 Kammermägde-Tischdecken; an Zinnzwug: 4 große Schüsseln, 42 mittelgroße Schüsseln, 66 kleinere Schüsseln, 10 ganz kleine Schüsseln für Konfekt, 40 Teller, ein weißes Becken und ein Handfass, 2 Handfässer ohne Becken, 9 Bohrer, 8 Zimmerleuchter, 9 Salzfässer, 1 Pfanne, 2 Bettpfannen, 1 Schöpfkelle, 4 Bohrer. In der Küche befanden sich: 6 große Schüsseln, 8 mittelgroße Schüsseln, davon eine verschmutzt, 24 kleine Schüsseln, 6 Musterschüsseln und 2 Teller. An Teppichen wurden unter anderem aufgeführt: 3 schwarze Wollteppiche, 2 große graue Teppiche sowie ein gelb-blauer Teppich. Außerdem wurden nebenbei noch genannt: 1 kupferner Leuchter, 10 Kessel (klein und groß) sowie 1 Schinkenkessel. Im 18. Jahrhundert erfolgte eine Burgrenovierung.

Die einst so mächtige Grafschaft besteht nur noch aus den Kirchspielen Wanderath, Weiler, Nachtsheim und Retteath. Französische Eroberungstruppen setzen1689 die Burg in Brand, die sich zu in dieser Zeit allerdings bereits in einem schlechten baulichen Zustand befand. Die Herrschaft der Grafen von Löwenstein-Wertheim endete mit dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen im Jahre 1794.

Während der Franzosenherrschaft bildete Virneburg den Hauptort eines Kantons, welcher aus der Mairie (Bürgermeisterei) Virneburg bestand, zu der die Orte Anschau, Ober-, Mittel- und Niederbaar mit Büchel, Engeln, Freilingen und Wanderath, Bereborn, Kolverath und Bermel, Blasweiler, Boos, Herresbach mit Döttingen und Eschbach, Hirten, Lanfenfeld mit Acht, Arft, Langenscheid und Welschenbach, Lierstall mit Oberehe, Lind, Mannebach, Münk, Nachtsheim, Niederheckenbach, Retterath mit Arbach und Selcherath, Siebenbach und Weiler gehörten.

1809 umfasste die Virneburger Gemarkung 97 Hektar Ackerland, 42 Hektar Wiesen und 274 Hektar Waldungen. Virneburg zählte 240 Einwohner in 43 Häusern.

Nach Napoleons Niederlage erhielt Preußen auf dem Wiener Kongress das Rheinland zugesprochen. Virneburg wurde Sitz einer Bürgermeisterei innerhalb des Kreises Adenau.

Schlechte Witterung und Missernten in den Jahren 1816/17 führten in der Eifel und auch in Virneburg zur großen Hungersnot. Auch nach dieser Zeit gab es viel Armut in der Eifel. Zwei Drittel der Bevölkerung genossen nur einmal im Jahr Fleisch, und zwar zur Kirmes. Fast alle Bauern waren verschuldet. Die Geldnot erreichte einen solchen Grad, das der Empfänger eines Briefes das gesamte Dorf durchwandern musste, um das Geld für das Porto zusammenzubetteln, das damals noch vom Briefempfänger zu zahlen war.

Die Landwirtschaft bildete für viele die Haupterwerbsquelle aber so manche Virneburger fanden auch in einem Bleibergwerk eine Beschäftigung. Als Eigentum einer holländischen Aktiengesellschaft wurden in der Grube Bendisberg Stollen bei St. Jost, Virneburg und in der Schweinskaul angelegt. Als das Aufbereitungsgebäude bei St. Jost am Weihnachtsabend 1904 abbrannte, hörte der Betrieb wegen des großen Brandschadens zu bestehen auf.

Postkarte : Kaiser Wilhelm II. am 19.10.1911 in Virneburg Unter dem Bürgermeister Schmitz wurde im Jahre 1901 das neue Bürgermeistergebäude gebaut.

Am 19. Januar 1914 wurde auf Veranlassung des Königlichen Amtsgerichtes Adenau die Burgruine öffentlich für 1080 Mark an den Verein für Denkmalpflege verkauft.

Im Februar 1924 erhielt Virneburg elektrisches Licht. Ab Mai 1926 fuhr ein Postauto von Mayen über Virneburg nach Adenau.

Virneburger Feuerwehr am Übungsturm auf dem Mühlenberg Durch den Bau des Nürburgrings 1927 kam auch nach Virneburg viel Verdienst.

1929 bildete sich auf Anregung des Bürgermeisters eine Freiwillige Feuerwehr.

Um Verwaltungskosten zu sparen, löste die Regierung am 1. Oktober 1932 den Kreis Adenau auf. Das Amt Virneburg kam zum Kreis Mayen.

 

 

1939 waren in Virneburg vorhanden:
2 Personenkraftwagen, ein LKW sowie ein großer und ein kleiner Omnibus. Außerdem besaß der Ort zu dieser Zeit 2 Bäckereien, 3 Lebensmittelgeschäfte und 2 Gaststätten.

Zum Kriegsende am 8. März rückten die Amerikaner kampflos in Virneburg ein.

Am 1. August 1970 wurde die Schule geschlossen.

Am 6. Mai 1988 Einweihung des neuen Gemeindehauses.

Auszüge aus: "Virneburg Chronik" von Winfried Schubert