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Hochwasser Donnerstag 2. Juni 2016

Jahrhunderthochwasser richtet verheerende Schäden an

Seit Tagen hat es geregnet und manchmal gab es auch ein Gewitter. Der Nitzbach war angestiegen, blieb aber noch in seinem Bett. In der Nacht zum 2. Juni hat es dann stark geregnet. Am Morgen schauen die Menschen im Ort auf das Nitztal. Die Uferränder des Baches stehen unter Wasser, aber noch ist nichts Schlimmes passiert. Tagsüber scheint sich die Lage sogar etwas zu entspannen.

Um  17.30 setzt ein Gewitter mit Starkregen ein. Um 19 Uhr geht die Sirene. Die Feuerwehr Virneburg wird nach Acht gerufen, dort sollen Keller unter Wasser stehen. Die Wehrmänner schauen noch nach dem Nitzbach, doch hier scheint keine Gefahr zu bestehen. So rücken sie aus.

Was die Wehrmänner und die Ortsbewohner jedoch nicht ahnen: am Fuße von Hoher Acht und Nürburg hat das Gewitter ungeheuere Wassermassen nieder regnen lassen. Die Orte von Acht über Siebenbach, Eschbach, Döttingen, Drees und Nitz werden von Wasserströmen überflutet. In den Nebenbächen der Nitz und an deren Oberlauf sammeln sich die Wasserströmen und rollen auf Virneburg zu.

Etwa um 20.00 Uhr kommt die Welle in Virneburg an. Innerhalb  von wenigen Minuten rollt sie durch den Ort. Die Wiesen werden überschwemmt, die Brücken fassen die Wassermassen nicht mehr. Nun dringt das Wasser in die Häuser, Garagen und Scheunen ein. Das Ganze läuft so schnell ab, dass den Bewohnern keine Zeit bleibt, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.

vor der Brücke an der Hauptstraße
Vor der Brücke an der Hauptstraße ...

In dem Fachwerkhaus vor der Brücke über die Bunderstraße steht das Wasser einen Meter hoch in der Wohnung. Auch Scheune und Stall stehen im Wasser. Alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird von dem reißenden Strom weggerissen. Hinter der Brücke sind alle Häuser am rechten Bachufer betroffen. Einige Anwohner hatten noch nicht mal Zeit, ihre Fahrzeuge aus den Garagen zu retten. Die Fußgängerbrücke und der Dorfteich sind in den Fluten nicht mehr zu erkennen. Besonders schlimm wird es dann wieder an der Brücke in der Talstraße. Dort stehen die Häuser auf beiden Seiten der Nitz unter Wasser. Auch im Klöftchen und vor der Brücke in der St. Joster Straße stehen die Fluten. Die Feuerwehren der Nachbarorte werden alarmiert, ebenso die Stützpunktwehren aus Nachtsheim, Ettringen und Kottenheim. Auch die eigene Wehr ist mittlerweile ins Dorf zurück gekehrt. Es wird versucht zu retten, was irgendwie möglich ist. Aber gegen diese Wassermassen sind sie zunächst machtlos.

hinter der Brücke
...  hinter der Brücke

Schon am späten Abend geht das Hochwasser deutlich zurück. Die Feuerwehrmänner beginnen die Keller leer zu pumpen und führen die wichtigsten Aufräumungsarbeiten durch. Sandsäcke werden aufgebaut, denn es sind weitere Unwetter angekündigt. Die Männer sind zum Teil bis morgens um vier Uhr beschäftigt. Alle beteiligten Wehren leisten hervorragende Arbeit und erhalten von überall höchstes Lob für ihre Arbeit.

Um sieben Uhr heult schon wieder die Sirene. Gefahr an der Brücke in der St. Joster Straße wird gemeldet.  Es handelt sich aber um einen Fehlalarm. Die Virneburger Wehrmänner rücken erneut aus, obwohl sie nur zwei bis drei Stunden Schlaf hatten. Nun, da sie ohnehin auf den Beinen sind, beginnen sie mit den Aufräumungsarbeiten. Sie gehen von Haus zu Haus, um mit ihren Gerätschaften Hilfe zu bringen. Überall treffen sie auf helfende Hände. Verwandte und Bekannte sind den vom Hochwasser Betroffenen zu Hilfe gekommen und auch die Virneburger Flüchtlinge beteiligen sich. Möbel, Gerätschaften, Lebensmittel, Wände und Böden, alles ist beschädigt. Das alles soll aufgeräumt oder entsorgt werden. Container werden bestellt. Die Ortgemeinde lässt auf dem Dorfplatz eine 40 m³ Container aufstellen, nebenan wird ein Abstellplatz für Elektroschrott errichtet.

Vom Hochwasser zerstört
Vom Hochwasser zerstört

Die Arbeiten gehen bis zum Abend, aber noch nur das Nötigste ist geschafft. Und schon wieder sind weitere Unwetter angesagt. Vom "Rock am Ring" werden 82 Verletzte durch Gewitter gemeldet. Erneut werden die Sandsäcke vor Häusern und Garagen ausgelegt. Es könnte in der Nacht ja alles wieder von Neuem los gehen. Am Samstag sollen die Arbeiten weiter gehen. Bei allem Unglück kann man aber in Virneburg feststellen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

Günter Pung - Ortschronist