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Vor 100 Jahren: 1918

Das Jahr 1918 (Aus der Schulchronik Virneburg)

Starkes Hochwasser im Januar

Bis Mitte Januar herrschte große Kälte und es lag viel Schnee.  Dann setzte plötzlich Tauwetter ein mit viel Regen und Sturm. Am 17.1.1918 führte die Nitz Hochwasser „wie
selten zuvor“. Die Wiesen waren überflutet, das Wasser drang in Keller, Scheunen und Ställen ein. Die Wege, besonders die Irschgasse waren fast nicht mehr zu passieren.

Jagdverpachtung am 8.3.1918

Das höchste Angebot für die 532 ha große Jagd lag bei 1050 Mark mit halben Wildschaden. Der frühere Preis lag bei 730 Mark ohne Wildschaden.

Neue elektrische Leitung

Von Mitte August bis Mitte Oktober wurde eine Kolonne Militär bei Leuten einquartiert.
Die Soldaten verlegten eine neue Leitung von Nürburg bis Kreuznick. Durch die neue Leitung soll die Ankunft  von Fliegern rasch weitergeleitet werden können. Auf dem Turm der Nürburg war ein Beobachtungsposten.

15.11.1918 Neuer Bürgermeister

Bürgermeister August Färvers verließ  an diesem Tag die Stelle in Virneburg. Er übernahm die Stelle in Kelberg. Nachfolger wurde der Oberbürgermeistereisekretär Strang aus Kempenich.

Kriegsbild in Virneburg 1918

Im Sommer sammeln die 51 Schulkinder 80,5 Zentner Laubheu, 1 Sack Pfefferminztee,
1 Sack Thymian, 80 Pfund Bucheckern und für 15 Mark Ähren.
Für die VIII Kriegsanleihe zeichneten die Kinder 383 Mark und die Erwachsenen 280 Mark. Für die IX Kriegsanleihe zeichneten die Kinder 487, die Erwachsenen 200 Mark.

Die Lebensmittel waren teuer

so kosteten: 1 Flasche Wein 10-12 Mark, 1 Flasche Bier 50 Pfennig, 1 Zigarre 1 Mark, 1 Schwein 200 Mark, 1 Schaf 170 Mark, 1 Ziege 280 Mark, 100 Bohnenstangen 45 Mark.

Am 16.11.1918 um 11 Uhr wurde der Waffenstillstand geschlossen

Tags zuvor mussten in Wanderath zwei zwei Flugzeuge wegen Benzinmangels landen.
Auch in Virneburg war die zurück flutende Heeresmacht zu spüren. Auf der Kelberger-Straße strömten fast ununterbrochen Autos, Munitionswagen, Geschütze und Fahrzeuge des roten Kreuzes. Da in den Nächten Frost herrschte, so konnten die Pferde die Steigungen kaum nehmen. Die schweren Eisenräder der Lastwagen drehten durch. Es musste Erde gestreut werden, damit die Steigungen genommen werden konnten.
Auch die Durchzüge durch Virneburg wurden immer zahlreicher. Zuerst kamen Truppen aus der Etappe, die wenig Disziplin zeigten. Es folgten Einquartierung auf Einquartierung.
Die Schule wurde geschlossen. Im Schulsaal waren oft 50 – 100 Mann untergebracht.
Ein anderes Bild zeigten die Fronttruppen. Sie zeigten Ordnung und Disziplin. Sie zogen wiederholt mit Musik und strammer Haltung ins Dorf ein. Viele Tage spielte die Militärkapelle mittags vor der Burg auf der Landstraße zum Ergötzen der Virneburger, besonders der Jugend. Wiederholt hatte Virneburg 1400 Mann Einquartierung, dazu die vielen Pferde und Wagen. Sie fuhren über den Spielplatz auf das Feld zwischen Schule und Gemeindekasse. Auf dem Spielplatz im Hofe stand gewöhnlich die Gulaschkanone. Rinder, die die Truppen mitführten, wurden geschlachtet. Die Soldaten haben 5 m³ Schulholz verbrannt. Die Pferde sahen sehr elend aus, und manche blieben an der Straße verendet liegen. Futter war knapp (Hafer, Stroh, Heu). Die Pferde nagten die Rinde von den Bäumen. Auf Blumenrath waren Pferde im Tannenbestand untergebracht, sie hatten 20 cm dicke Bäume durchgenagt. Stroh und Heu gaben die Bauern ab, dadurch wurde die Fütterung ihres Viehs im Winter und Frühjahr sehr erschwert.
Die Einquartierung, die jede Nacht wechselte, dauerte etwa 10 Tage. Gleich darauf begann vor dem Bürgermeisteramt ein Verkauf von Soldatenpferden, Wagen, Sattelzeug etc. statt.
Pferde wurden mit 10 – 50 Mark bezahlt, Wagen mit 40 – 100 Mark. 200 Paar gebrauchte aber reparierte Militärstiefel wurden 15 – 70 Mark das Paar versteigert.
Dann waren einige Tage Ruhe, dann erschienen vereinzelt amerikanische Autos. Vom 14. bis 16. Dezember zogen ganze Regimenter durch Virneburg mit Maschinengewehren auf kleinen zweirädrigen Fahrzeugen, Fahrzeugen, Lastwagen etc. In diesen Tagen wurden etwa 600 Mann einquartiert, viele sprachen deutsch. Sie waren nicht so zudringlich wie unsere Truppen. Das Schulhaus blieb von der Einquartierung verschont. Unter den Zug- und Reittieren befanden sich viele langohrige Maultiere und Maulesel. Es hieß, dass kein verheirateter Mann unter ihnen sei, alle waren jung, schlank und glatt rasiert. Militärischer Eindruck und Musik blieben bei weitem hinter unseren Truppen zurück. Allenthalben wurde ihr Betragen gelobt. Täglich sausten zahlreiche Autos zwischen Adenau und Mayen durch Virneburg, die die Straßen total ausführten. Auf der Brücke befanden sich fußtiefe Löcher.